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Die
Familie und die Firma Krupp in Essen - Aufstieg und Niedergang
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Anfang
des 19. Jahrhunderts wurde aus der angesehenen Essener
Kaufmannsfamilie Krupp die Industriellenfamilie Krupp mit
Beteiligungen an Zechen und Hüttenwerken. Friedrich Krupp, der Gründer
der Friedrich Krupp Gussstahlfabrik, war wenig erfolgreich, der
Bedarf an Gussstahl noch gering. Er produzierte Bestecke, Kochtöpfe
und andere Kleinstahlwaren. Bei seinem Tod 1826 gab es sieben Beschäftigte.
Sein Sohn Alfred führte das Unternehmen fort, bestrebt, den besten
Stahl herzustellen und die rationellsten Fertigungsmethoden zu
entwickeln. Der Aufschwung kam Mitte des Jahrhunderts vor allem
durch Aufträge aus dem Bergbau und die zunehmende Bedeutung der
Eisenbahn. Das Firmenzeichen, die drei Ringe, symbolisieren
Eisenbahnräder. Sie stehen für die Fertigkeit und das Patent den
Stahl zu nahtlosen Radreifen zu verarbeiten.
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Erstmals
auf der Weltausstellung 1851 stellte die Firma Krupp eine Kanone aus
Gussstahl vor, eher als Werbegag denn mit tatsächlicher
Verkaufsabsicht. In der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts wurden
sie dann, neben Eisenbahnteilen, zum Produktionsschwerpunkt.
Geliefert wurde nicht nur dem preußischen Kriegsministerium,
sondern auch nach Holland, Belgien, Ägypten sowie nach England, dem
Hauptkonkurrenten auf dem Stahlmarkt. "Kanonenkönig"
wurde Alfred Krupp vor allem durch den Krieg gegen Frankreich
1870/71, dessen Erfolg den "Krupp-Geschützen"
zugeschrieben wurde. Die Verbindung zur Politik blieb eng, Kaiser
Wilhelm II. war häufiger Gast in der Villa Hügel, seit 1875
Wohnsitz der Familie. Die Waffenschmiede Krupp war zur Durchsetzung
der politischen Pläne unverzichtbar.
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Vor dem
Ersten Weltkrieg wuchs der Krupp-Konzern unter Alfreds Sohn
Friedrich - Alfred auf 80.000 Mitarbeiter an, allein in Essen waren es
über 40.000. Krupp hatte die Stahlproduktion durch den Bau von Hochöfen
vervielfacht. Zum Konzern gehörten ebenso Zechen, Kokereien und
Werften für Kriegsschiffe. Einverleibt wurden auch konkurrierende
Fabriken und Gießereien. Krupp war vor dem Ersten Weltkrieg der größte
europäische Konzern und Rüstungslieferant für das deutsche Reich.
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Gustav und
Bertha Krupp von Bohlen und Hallbach mit ihren sieben Kindern.
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Als Waffenschmiede dienten sich die Krupps auch den Nationalsozialisten an, nun in der vierten und fünften Generation. Gustav Krupp von Bohlen und Halbach und sein Sohn Alfried wurden "Wehrwirtschaftsführer". Auch Hitler war sehr oft gerngesehener Gast in der Villa Hügel. Bescherte er doch Krupp lukrative Aufträge. Über 25.000 Zwangsarbeiterinnen beschäftigte das Unternehmen während des zweiten Weltkrieges
“zum Wohle des deutschen Volkes“. Die Krupp-Werke waren ab 1943 Ziel der alliierten Bombardierung. Nach dem Krieg war das Werk zu zwei Dritteln zerstört, der größte Teil der noch funktionstüchtigen Anlagen wurde demontiert und als Reparationsleistung ins Ausland gebracht. Alfried Krupp wurde bei den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen zu 12 Jahren Gefängnis verurteilt kam aber schon 1951 wieder frei. 1967 wurde die Firma Friedrich Krupp nach dem Willen von Alfried Krupp von Bohlen und Halbach in eine Stiftung umgewandelt. Damit endete die Krupp-Dynastie. Die Firma lebt als GmbH fort und ist seit 1999 mit dem Thyssenkonzern fusioniert:, die Thyssen Krupp AG. Von der einstmaligen Bedeutung ist heute nichts mehr gegenwärtig.
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Krupp im Stadtbild
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In Essen ist Krupp heute noch spürbar, zwar gibt es keine Produktionsstätten mehr, dennoch hat die Fabrik der Stadt ihren Stempel aufgedrückt. Durch die stetige Expansion der Firma Krupp wurde im Laufe der Zeit das Stadtbild nachhaltig verändert. So wurden unter anderem wertvolle, große Teile der einstigen Stadtmauer und deren Wachtürme abgerissen und dem Erdboden gleich gemacht. Wenn man so will, ein nicht mehr gut zu machender Schaden. Die Stadt verlor durch den Abriss historischer Gebäude ihre über Jahrhunderte entstandene geschichtliche Identität. Das riesige Firmengelände (einst fast 30%!!! der Stadtfläche, unter anderem mit Fabriken für LKW und Eisenbahnbau) wurde nach dem Zweiten Weltkrieg nur partiell wieder aufgebaut, heute ist es Gewerbegebiet und zum Teil, immer noch, Brache. Die leider nur noch wenigen, erhaltenen Werkshallen haben eine neue Funktion: als Musical-Theater, als Parkhaus (die alte Kanonenfabrik) oder als Veranstaltungsort für Flohmärkte. Die ehemaligen, zum Teil noch erhaltenen, Arbeitersiedlungen zeugen vom Sozialsystem (?) der Firma Krupp. Die Siedlung Margarethenhöhe (heute als soziales Engagement bezeichnet) gilt auch heute noch als architektonische Besonderheit, sie ist trotz der Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg in der Substanz gut erhalten. 1858 entstand eine Bäckerei aus der sich 1886 die Kruppsche Konsumanstalt entwickelte in der Krupparbeiter zu niedrigen Preisen einkaufen konnten. Die alten zentralen Einrichtungen so wie die Konsumanstalt, stehen noch, haben aber eine andere Bestimmung: ein Haus ist als Museum eingerichtet, damals wegweisend mit Badeeinrichtungen und Wasserklosetts. Auch andere Siedlungen, z.B. Kronenberg, (1874) die eher an eine Kaserne erinnert und der Altenhof 1 und 2 (1892/93) sind in Teilen erhalten. Die Häuser für alte und gebrechliche Arbeiter.
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Die
Kehrseite der Medaille
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Schon vor Bismarck hat Alfred
Krupp versucht, mit einer Doppelstrategie aus umfassender Fürsorge
und eingreifender Kontrolle seine Arbeiter sowohl ans Werk zu binden
als auch zu entpolitisieren. Zum finanziellen Anreiz trat der
Aufbau von Sozialeinrichtungen, die zur Absicherung der Arbeiter
beitrugen.1853 wurde die bereits 1836 als Selbsthilfeeinrichtung der
Arbeiter bestehende Krankenkasse in eine Pflichtversicherung
umgewandelt. 1855 wurde eine Pensionskasse eingerichtet. Bei weitem
kamen nicht alle Betriebsangehörige in den Genuss dieser sogenannten Wohlfahrtspolitik. Die Mitglieder der Kruppschen Pensionskasse, in die
alle beschäftigten Arbeiter einzahlen mussten, (2,5%
vom Lohn) erhielten nur dann betriebliche Rentenleistungen, wenn sie
bei nachgewiesener Arbeitsunfähigkeit mindestens 15 bis 20 Jahre
ununterbrochen in Diensten der Fa. Krupp gestanden hatten. Das hielten
allerdings die Wenigsten durch. Z.B. viele Arbeiter die an Feuerstätten
(Hochöfen etc.) arbeiteten wurden kurz vor erreichen der nötigen
Jahre einfach entlassen. In den Jahren 1885 bis 1907 wurden zwar an
6.424 Betriebsangehörige Pensionen in Höhe von 17,7 Millionen Mark
(der Bau der Villa Hügel kostete fast genau soviel) ausgezahlt, doch über
90 % der Kassenmitglieder gingen leer aus und wurden ein Fall für
die Armenfürsorge. Der Kruppsche Wohnungsbau machte an den
verschiedenen Ausführungen der Wohnungen das Gefälle innerhalb der
Belegschaft deutlich. Waren die sogenannten Meisterhäuser an der Hügelstraße
1861 massiv aus Stein gebaut, bestand die 1863 errichtete Siedlung
Alt-Westend aus einfachen Fachwerkgebäuden. (1871 Neu-Westend,
Nordhof und Baumhof, 1872 Schederhof) Durch Kontrolle und Isolierung
versuchte Krupp seine Firma im Inneren zu stabilisieren und vor den
sich bildenden Arbeiterbewegungen abzuschotten. Da die Siedlungen über eine eigene
Infrastruktur verfügten, Konsum, Schule Marktplatz etc. waren die
Voraussetzungen bestens. Darüber hinaus verlor jeder Arbeiter, egal
ob mit Familie und Kindern, bei einer Kündigung das Wohnrecht in den
Krupp eigenen Siedlungen und hatte seine Wohnung am Tage der Kündigung
zu räumen. Er stand mit seiner Familie "von jetzt auf
gleich" mittellos auf der Straße. In einer Ansprache von 1877, "Wort
an die Angehörigen meiner betrieblichen Anlagen" sagte Krupp:
(sinngemäß) "nach getaner Arbeit solle sich der Arbeiter um
seine Familie, Kinder und deren Erziehung kümmern und darin seine
Erholung suchen" und (wörtlich) "eure Arbeit sei in erster Linie eure
Politik, dabei werdet ihr frohe Stunden haben". Diese
Abhängigkeit der Beschäftigten grenzte schon an Sklaverei. Bei genauer
Betrachtung der "sozialen Einstellung" Krupps kommt man
nicht umhin sich doch etwas kritischer mit der "Legende
Krupp" zu befassen. Das in unserer Gesellschaft positiv
dargestellte Bild Krupps entpuppt sich doch mehr als Zerrbild.
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Das Symbol für die Macht der
Firma Krupp, die Villa Hügel, ist seit 1954 eine Stiftung. Sie
beherbergt das Archiv, eine Ausstellung zur Firmengeschichte und dient
als Veranstaltungsort für kulturelle Ereignisse und
Kunst-Ausstellungen. Auf dem Friedhof in Essen-Bredeney sind die
Krupps auf einer abgetrennten Fläche begraben, eine Art
Familienfriedhof.
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Krupp 1929, eine 15.000
Tonnenpresse !
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